„Wir brauchen jetzt einen Radwegebauboom“ erklärt Joachim Schleicher, Ansprechpartner des ADFC Esslingen angesichts des jüngst veröffentlichten Förderprogramms “Stadt und Land” im Klimapaket der Bundesregierung. Zusammen mit Landesgeldern ermöglicht es Förderquoten von 90% für Esslingen. ADFC und VCD Esslingen bieten der Stadtverwaltung jetzt mit dem Mapathon-Projekt Unterstützung bei der Umsetzung durchgängiger Routen an.
Die Esslinger Radnetzkonzeption aus dem Jahr 2012 war dafür ausgelegt, den Radverkehrsanteil bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Die Stadt Esslingen hat jüngst eingeräumt, dass dieses Ziel verfehlt wurde, sodass eine Überarbeitung nötig ist.
Die damals definierten dreizehn Hauptradrouten wurden bisher nur teilweise realisiert, andere Maßnahmen sind nicht mehr aktuell. Besonders im Bereich der Innenstadt sind erhebliche Lücken vorhanden. Der Gemeinderat hat mit der ab Sommer 2021 testweise eingerichteten Umweltspur auf dem Altstadtring eine wichtige Lücke zwischen der wichtigen Fahrradachse Hindenburgstraße und der Innenstadt geschlossen. Das Erfolgsmodell Fahrradstraße hat inzwischen täglich doppelt so viele Menschen aufs Fahrrad gebracht, den Radverkehr gebündelt und vor allem sicherer gemacht.
„Für ein urbanes Radnetz, das von großen Teilen der Bevölkerung in Anspruch genommen wird ist Durchgängigkeit und Sicherheit entscheidend. Damit entlasten wir unsere Stadt gemeinsam von Stau, Lärm und Abgasen,” so Schleicher weiter. Basierend auf den Kriterien Nutzerpotential, Dringlichkeit, Umsetzbarkeit und Aufwand müssen dabei Prioritäten auf Hauptrouten gelegt und rasch umgesetzt werden. Oberbürgermeister Dr. Zieger habe mit der Bekräftigung zur Verdopplung des Radverkehrsanteils bis 2027 passende Ziel-Rahmenbedingungen gesetzt. „ADFC und VCD Esslingen arbeiten gerne daran mit, die Ziele jetzt mit konkreten Maßnahmen in die Tat umzusetzen.“
Seit Dezember hat das Bündnis Esslingen aufs Rad in etlichen Stunden ehrenamtlicher Arbeit ein Zielnetz entwickelt. Basierend auf Quellen und Zielen in Wohngebieten und im Bereich von beispielsweise Schulzentren ergab dies einen durchgängigen Netzplan-Entwurf. Nun fanden an drei Terminen am 15., 18. und 22. März Beteiligungstermine für Bürgerausschüsse, Schüler*innen sowie interessierte Einzelpersonen statt. „Wir freuen uns über die zahlreiche Unterstützung,“ lobt er zusammenfassend. Alle Informationen zum Projekt sowie die eingegangenen Hinweise sind unter esslingenaufsrad.de in einer interaktiven Karte zu finden.
Radinfrastruktur für Alle kann aus einem breiten Maßnahmen-Repertoire bestehen: Je nach Ausgangslage kann sowohl der Bau eines Radweges, die Umwidmung eines Fahrstreifens in geschützte Radfahrstreifen oder die Einrichtung von Tempo 30 schnell die Sicherheit erhöhen. Im Endzustand soll auf einem Hauptnetz von gut 70 Kilometern Länge hochwertige Radinfrastruktur angeboten und auf einem Nebennetz von weiteren 110 Kilometern Mängel beseitigt werden. Dadurch wird eine Präsenz des Radverkehrs im ganzen Straßennetz hergestellt, um damit eine Gleichberechtigung des Radverkehrs als Voraussetzung für eine Mobilitätswende zu schaffen.
Zum Jahresbeginn 2021 hat die Stadt Esslingen die Esslinger Fußgängerzonen zum Radfahren in Schrittgeschwindigkeit frei gegeben. Das Bündnis Esslingen aufs Rad mit ADFC und VCD Esslingen begrüßt grundsätzlich einheitliche Regelungen und die Erreichbarkeit vieler Innenstadtziele mit dem Rad und setzt sich gleichzeitig für ein respektvolles und rücksichtsvolles Miteinander von Fußgänger*innen und Radfahrer*innen ein. Eine Randbedingung dafür ist, dass der Durchgangsradverkehr sichere und attraktive Routen abseits der Flaniermeilen hat.
Die Stadtverwaltung prüft aktuell auch eine Freigabe der Inneren Brücke. „Für die Esslinger Mobilitätswende hat allerdings das übrige Radnetz eine deutlich höhere Bedeutung. Priorität in den Fußgängerzonen ist die Aufenthaltsqualität der Menschen, die zu Fuß unterwegs sind. Die Freigabe der Inneren Brücke für Radverkehr ist keine Forderung des Bündnis Esslingen aufs Rad, das Anbringen eines Geländers für Radfahrer*innen ist daher für uns kein Thema,“ bewertet Schleicher die hitzige Diskussion um das historische Bauwerk. Wenn dagegen ausreichend Rad-Abstellanlagen am Rand der Fußgängerzonen zur Verfügung gestellt werden, kommen mehr Menschen oft und gerne mit dem Rad zum Einkaufen und Genießen in die Stadt.
Weitere Informationen:
- Kartenansicht Zielnetz: http://umap.openstreetmap.fr/de/map/mapathon-esslingen-2021_540206
- Mapathon Esslingen: https://esslingenaufsrad.de/2021/03/jetzt-mitmachen-beim-mapathon/
- Fördermöglichkeiten: https://www.adfc.de/pressemitteilung/rekordmittel-fuer-den-radwegebau-adfc-begruesst-sonderprogamm-stadt-und-land

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